Blog von Birgit Marita Jost
- mal ganz privat -




Verantwortung übernehmen & sich selbst bedingungslos lieben

„Vergebung (lat. amnestia) ist eine menschliche Tugend. Wer Vergebung übt, verzichtet darauf, Rache an einem anderen Menschen zu nehmen. Jemanden vergeben heißt verstanden zu haben, wie es zu einer Situation gekommen ist und dem Gegenüber einen friedlichen Lernprozess zuzustehen. Aus religiöser Sicht wird Vergebung auch als Tür zu Frieden und Glück bezeichnet.“(Wikipedia)

Mit Vergebung sind oft vielfältige Assoziationen verknüpft. Vergebung bedeutet nicht, dass man das, was geschieht bzw. geschehen ist, gut heisst. Es heisst, die Dinge anzunehmen, wie sie sind bzw. waren, ohne Wertung. (Oft ist das erst möglich, wenn dazugehörige Emotionen ausgedrückt, verwandelt und geheilt werden).

Wozu Vergebung?

Oft stecken wir in wiederkehrenden Mustern fest: Der Chef behandelt uns ungerecht, Kollegen mobben uns, der Partner betrügt uns, immer gibt es unglückliche und nicht erwiderte Liebe, wir sind ohne Arbeit, ... etc.

In all diesen Situationen fühlen wir uns als Opfer der Situation und ausgeliefert: wir glauben, wir können nichts dagegen tun. Und die Umwelt stimmt uns meistens zu. Das hilft uns jedoch nicht, sondern hält uns im „Opferland“ gefangen.

Eine Alternative ist, mit Vergebung zu arbeiten. Dazu versuchen wir, eine neue Sicht auf die Situationen zu bekommen. In der Welt des „Menschlichen“ müssen wir lernen, uns abzugrenzen und „NEIN“ zu sagen.

Um jedoch unsere Wunden/Muster zu heilen, ist es hilfreich, eine spirituelle Sichtweise einzunehmen. Der 1. Schritt: Wir übernehmen Verantwortung für die Situationen, in denen wir sind. Wir haben die Bereitschaft, diese Situationen als eigene Kreation anzuerkennen. Diese Situationen müssen uns nicht gefallen. Wir können diese Situationen jedoch als Chancen sehen, und mit der Übernahme der Verantwortung haben wir auch die Möglichkeit, sie auch verändern.

Ein (einfaches) Beispiel: Ich bin mit jemandem verabredet und er/sie kommt zu spät. Vielleicht ist es nicht das erste Mal, dass er/sie sich verspätet. Ich sitze und warte. Emotionen und Gedanken steigen auf: „Ich bin es wohl nicht wert, verdiene es nicht, dass er/sie pünktlich ist“, „Alle anderen sehen, dass ich wertlos und alleine bin“, „Warum bin ich eigentlich immer pünktlich?“, etc. mit Gefühlen von Wut, Trauer, Wertlosigkeit, Opfer. ..

Wie kann ich jetzt damit umgehen? Wir schauen uns an: was ist Tatsache? Er/sie kommt zu spät. Punkt. Alles andere sind Interpretationen und Bewertungen. Diese kommen zumeist aus früheren Erfahrungen, oft aus der Kindheit (oder früherer Vergangenheit). Wir müssen jetzt nicht in die Vergangenheit zurückgehen (auch wenn das hilfreich sein kann), sondern können uns zunächst sagen: Aha, ich habe mir diese Situation erschaffen, die mich heilen möchte. Als nächstes schauen wir uns die Werturteile („ich bin es nicht wert“, etc.) an, die wir entwickeln. Dann fangen wir nicht an, uns deswegen zu beschimpfen (was wir gern tun), sondern nehmen uns mit diesen Urteilen bedingungslos liebevoll an. Und wir gehen in die Bereitschaft, diese Situation als „vollkommen“ bzw. sinnvoll anzunehmen. Die Energie verändert sich, Heilung im Inneren kann stattfinden und wir finden wieder zum Frieden des Herzens.

Wichtig ist, dass wir die Bereitschaft haben, diese Punkte zu durchschreiten. Wir tun wenigstens so, als ob. Schon dieses verändert die Energie und bringt uns in unsere Mitte, in das JETZT zurück.

Wie wirkt sich das auf unser weiteres Verhalten aus? In der Beispielssituation heisst es nicht, dass wir die Verhaltensweise des Anderen einfach so hinnehmen. Es heisst, unsere Gefühle auszudrücken, Grenzen zu setzen. Jedoch ohne Erwartungen an den Anderen, ohne die aufgestaute Wut/Trauer aus alten Verletzungen. Und: keine Erwartung auf Veränderung beim Anderen. Wir sind es, die die Einstellung zum Anderen verändern, immer und immer wieder. Bis alle Werturteile, Emotionen etc. geheilt sind. Immer wieder in die eigene Verantwortung gehen. Und lernen, die Dinge nicht zu bewerten in gut oder schlecht. Und oft ist es so, dass der Andere sein Verhalten ändert, wir nicht mehr auf das Verhalten des Anderen reagieren, oder dass wir uns von diesem Menschen in unserem Leben verabschieden.


Ver�ffentlicht am 25.09.2010 22:07 von birgit  | ï¿½ Mr. Wong | ï¿½ yigg |  del.icio.us